PERIARTHRITIS HUMEROSCAPULARIS
PHS, Periarthritis humeroscapularis adhaesiva
Die Periarthritis humeroscapularis wird auch mit PHS abgekürzt oder alsSu bakrom ialsynd rom bezeichnet.
Das Su bakrom ialsyndrom ist eine relativ häufige Erkrankung im mittleren und höheren Erwachsenenalter. Gelegentlich geht eine heftige Zerrung des Arme s oder eine umschriebene Schulter verletzung voraus.
Periarthritis
humeroscapularis ist ein Sammelbegriff für (schmerz
hafte) Störungen in der
unmittelbaren Umgebung des
Schultergelenk
s.
Der Begriff "Periarthritis" sagt aus, daß diese Störungen eigentlich
zwingend entzündlicher Natur sein müßten. Im allgemeinen medizinischen
Sprachgebrauch hat es sich jedoch eingebürgert, auch degenerative (=
abnutzungsbedingte) Prozesse unter der Periarthritis
humeroscapularis
zu subsumieren so daß folgende Definition angebracht sein dürfte:
Bei der Periarthritis
humeroscapularis besteht eine schmerzhafte
Bewegung
seinschränkung
des
Schultergelenk
s, hervorgerufen durch entzündliche, vorwiegend aber degenerative Prozesse (Verfettung, Verquellung,
Verkalkung) an örtlichen
Sehnen
(vor allem der
Muskeln Infra- und Supraspinatus, Bizeps),
Sehne
nansät
zen,
vor allem am Kora koid (= Rabenschnabelfortsatz am oberen Rand
des Schulterblatts),
Muskel
übergängen und
Schleimbeutel
n,
hauptsächlich der Bursa subdeltoidea (= unter dem
Schul termuskel gelegen), evtl. auch an Knorpel und
Knochen. Relativ
häufig ist auch die sog.
Rotatorenmanschette
((= die aus den
Oberarm
dreh
muskeln (Musculi subscapularis, supra- u. infraspinatus, teres major et minor) bestehende Muskelmanschette des Schultergelen
kes))
betroffen.
Häufige Störungen/Erkrankungen im Rahmen der Periarthritis humeroscapularis sind:
Impingement-Syndrom
Es handelt sich um ein
Engpaß-Syndrom (= Krankheitszeichen bei
einer Einengung) bei dem die
Sehne
n der
Mus keln, die das Schul tergelenk bewegen, zu wenig Platz haben. Ihr Gleitraum ist durch
Knochenvorsprünge und eine Vielzahl von Seh
nen im Bereich unterhalb der
Schulterhöhe eingeschränkt. Aufgrund der Enge führen an sich wenig belastende
Faktoren rasch dazu, daß die Seh
nen aneinander oder an den Knoc hen reiben und
sich entzünden, teilweise unter Einbezug des Schleimbeutels. Fast immer
vorhandene
Durchblutungsstörungen begünstigen die Entzündungsreaktion.
Typische
Anzeichen sind
Schulterschmerzen, die vor allem nachts sowie beim Anheben des
Armes auftreten.
Schultersteife
(ste ife Schul
ter)
Wiederholte Reizungen / En
tzündungen der Bu
rsa (=
Schleimbeu
tel)
subac romial
is (= unter
dem platten Ausläufer der Schulterblattgräte, dem Dach des Schultergelen
ks gelegen)
(Bursitis
subacromialis) sowie der Seh nenansätze der
Rotatoren (=
Oberarmdrehmuskeln) führen zu
einer Proliferation
(= Vermehrung von Gewebe
durch Wucherung oder Sprossung, meist im Rahmen einer En
tzündung)
und Verklebung des Gleitgewebes zwischen
dem Gelenkkopf des Oberarmknochens und dem Schul terdach. Es liegt
dann eine unspezifische, schmerzhafte En tzündung der
Schultergelenkkapsel bzw. der Innenhaut (Synovialitis)
vor, durch die die Kapsel allmählich schrumpft und zu einer schmerzhaften
Bewegungseinschränkung im Schultergelenk führt (Bewegungsschmerzen).
Häufig liegt auch eine
Sehnenscheidenentzündung
des Musculus biceps brachii (= 2-köpfiger Oberarmmuskel)
vor.
Die
Schultersteife
tritt meist bei älteren Erwachsenen auf. Häufig tritt die Schultersteife als
Folge einer Ruhigstellung bei einem
Schulter-Arm-Syndrom (Nacken-Schulter-Arm-Syndrom)
oder einer
Zervikobrachialgie
(Zervikobrachialsyndrom)
auf.
Weitere Synonyme
(= weitere Bezeichnungen für die gleiche Krankheit)
für die
Schultersteife
sind Periarthritis humeroskapularis adhaesiva, adhäsives
(= entzündlich bedingte, flächenhafte oder
strangförmige bindegewebige Verwachsung) Suba
kromials
yndrom
oder ahäsive
Kapsulitis,
Frozen Shoulder,
Duplay Krankheit
und
Schulterfibrose.
Supraspinatus-Sehnen-Syndrom
Durch eine Überlastung bzw. Überbelastung der Sehne des
Musculus supraspinatus kommt es zu einer entzündlichen Reaktion der
Sehnenscheide (Sehnenscheidenentzündung).
Diese schwillt an und wird dadurch in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt,
woraus eine schmerzhafte Bewegungseinschränkung resultiert, vor allem beim
Hochheben des Armes (vorwärts und seitlich), aber auch bei Drehung. Diese
krankhaften Veränderungen können eigentlich bei allen Sehnen im
Schulterbereich auftreten, am häufigsten ist jedoch die Supraspinatussehne
betroffen, weshalb sie hier als eigenständige Erkrankung aufgeführt wird.
Schmerzbehandlung beim Su bakrom ialsyndrom (PHS):
Verbleibt trotz einer krankheitsspezifischen Behandlung ein Su bakrom ialsyndrom (PHS), so eignen sich zur Behandlung folgende Maßnahmen, wobei Dauerschmerzen praktisch immer eine Kombination von verschiedenen Therapieverfahren erfordern. Häufig sind die schmerztherapeutischen Behandlungsmethoden bei verschiedenen Grundkrankheiten die gleichen, da sie sich nach dem Schmerz und seiner Ausdehnung und nicht mehr vorrangig nach seiner Ursache richten.
Medikamentöse
Schmerzbehandlung bei
Periarthritis
humeroscapularis (PHS):
Akut (= plötzlich
einsetzend, heftig) und subakut
(= eher schleichend
verlaufend) können zunächst (vorwiegend)
peripher wirkende
Analgetika
(=
Schmerzmittel, die am Ort der Schmerzentstehung wirken)
eingesetzt werden, insbesondere sog. nicht steroidale
Antirheumatika
(=
Rheuma
mittel),
aus dieser Gruppe möglichst lang
wirkende und
magen schonende wie z.B.
Meloxicam. Besonders magenschonend sind die sog. COX-2 Inhibitoren, z.B.
Parecoxib oder Etoricoxib, allerdings scheint diese Stoffgruppe mit einem
Herz-/Kreislauf-Risiko verbunden zu sein, zumindest bei längerer Therapiedauer.
Es bleibt abzuwarten, ob Parecoxib und Etoricoxib nicht auch noch vom Markt
genommen werden, wie schon andere Mittel dieser Stoffgruppe zuvor.
Bei stärkeren schmerzhaften Muskelverspannungen können darüber hinaus auch
Muskel
relaxanzien (=
Mittel zur Entspannung von
Muskeln)
(z.B. Orphenadrin, Tolperison) verordnet werden.
Manchmal sind aber die
Schmerz
zustände nur mit zentral wirkenden
Analgetika (z.B.
Tramadol, Tilidin, bzw. Tilidin mit Naloxon oder auch Mophin)
(= im Gehirn bzw.
Rücken
mark wirkende
Schmerzmittel)
beherrschbar.
Grundsätzlich sollte aber auch bei dieser Schmerzerkrankung eine längerfristige
Schmerzmittelverordnung wegen der Gefahr der Gewöhnung oder gar
Schmerzmittelabhängigkeit
vermieden werden.
Die Kombination mit schmerzdistanzierenden
Antidepressiva
(= Mittel gegen Depression,
aber auch bei chronischen
Schmerzen wirksam)
(z.B. Doxepin, Maprotilin) oder auch
Neuroleptika hilft in vielen Fällen Schmerzmittel einzusparen.
Bei einer entzündlichen Schmerzursache sind wiederholte
Cortison-Einspritzungen hilfreich.
Therapeutische Lokalanästhesie
(= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel bzw.
Lokalanästhetika)
bei
Periarthritis humeroscapularis (PHS):
Bei anhaltenden
Schmerzen sollten
rechtzeitig alternative Methoden eingesetzt werden. Insbesondere bei
Schulterschmerzen
ist eine sehr wirksame Alternative, ohne jedes Gewöhnungs- oder Suchtpotential,
die therapeutische Lokalanästhesie mit einem langwirkenden
Lokalanästhetikum
(=
örtliche Betäubungsmittel)
(z.B. Bupivacain) in Form von örtlichen Betäubungen und
Nervenblockaden. Dabei wird das Gelen
k wiederholt (stationär bei uns zwei mal täglich) großzügig
perikapsulär (= um
die Gelenkkapsel herum) infiltriert.
Das Schul
tergelenk kann auch mit "Zeel" umspritzt werden,
was manchen Patienten mit "homöopathischer" Grundeinstellung sehr entgegen
kommt.
Eine weitere Möglichkeit ist bei Periarthritis humeroscapularis
(PHS) die gezielte Infiltration von Triggerpunkten (= kleine Reizzonen hpts. in der
Muskulatur)
im
Schulterbereich
nach vorheriger Identifizierung derselben.
Als nächst höhere Therapiestufe kommen wiederholte Blockaden
(= Betäubungen)
des Nervus suprascapularis in der Incisura
suprascapularis (=
kleine Kerbe am Oberrand des Schulterblattes) in Frage. Über diesen Nerv werden die Schmerzempfindungen aus dem Schul
terbereich fortgeleitet.
Bei hartnäckigen und heftigen Schmerzen hat sich die sog. kontinuierliche,
retrograd hohe Betäubung des Plexus brachialis (= Armnervengeflecht)
mit Katheter sehr bewährt. Dabei wird ein dünner Kunststoffschlauch (Katheter)
nahe der Achselhöhle in die Nervenscheide des Armnervengeflechts eingepflanzt
und innerhalb derselben noch weiter nach oben vorgeschoben. Die Einpflanzung
erfolgt durch eine handelsübliche Kanüle hindurch, es muß also nicht
„aufgeschnitten“ werden. In der Folge wird über diesen Katheter mehrmals
täglich, jeweils nach Abklingen der vorangegangenen Dosis, das örtliche
Betäubungsmittel völlig schmerzlos nachgespritzt. Während dem Einspritzen und
noch kurze Zeit danach wird der
Obera
rm
mit einer Manschette abgestaut, so daß die Betäubungsmittellösung innerhalb der
Nervenscheide nach oben getrieben wird und so auch im Schulterbereich
schmerzlindernd wirken kann. Das örtliche Betäubungsmittel wird bei dieser
Behandlung so dosiert, dass die grobe Kraft erhalten bleibt (bei
gleichzeitiger Hemmung der Schmerzreizleitung), damit begleitend
krankengymnastische Übungsbehandlungen möglich bleiben. Dass die
schmerzlindernde Wirkung i.d.R. über die eigentliche Behandlungszeit hinaus
anhält, ist u.a. darauf zurückzuführen, daß bei dieser Blockadebehandlung auch
die sog. vegetativen Nerven betroffen sind (Sympathikolyse),
woraus eine sehr deutliche Durchblutungssteigerung resultiert, die
entzündlichen oder degenerativen
(= abnutzungsbedingten)
Prozessen nachhaltig entgegenwirkt.
Zur Schmerzbehandlung bei Periarthritis humeroscapularis kann auch die kontinuierliche, interskalenäre (= zwischen Muskeln im seitlichen, unteren Halsbereich) Blockade des Plexus brachialis durchgeführt werden, allerdings ist diese Methode mit einem etwas größeren Risiko behaftet.
Physikalische
Therapiemöglichkeiten:
Auch eine Elektrostimulation kann bei
Schultergelenksschmerzen
eine Beschwerdelinderung herbeiführen. Die transkutane Nervenstimulation
mit Niederfrequenzgenerator (TENS) hat den Vorteil, daß sich die
Patienten bei Bedarf selbst behandeln können. Die Elektroden werden paarig über
dem Gelen
k aufgeklebt. Durch Veränderung der
Stimulationsfrequenz und der Elektrodengröße kann die Wirkung optimiert werden.
Hilfreich kann auch eineMagnetfeldtherapie
(pulsierende
Signaltherapie) oder die sog.
Hochtontherapie sein.
Eine weitere physikalische Behandlungsmöglichkeit ist die oberflächliche
Kältetherapie im Schmerzbereich. Wir verwenden einen elektrischen
Kaltluftgenerator, dessen Luftstrom auf ca. -10 bis -15 Grad C abgekühlt ist.
Manche Patienten mit Periarthritis humeroscapularis empfinden
allerdings lokale Wärmeapplikationen (Rotlicht) als besser wirksam. Warme
Bäder können ebenfalls einen
Gelenkschmerz
lindern.
Die Verordnung von Massagen ist auch bei
Periarthritis humeroscapularis nicht sinnvoll. Für den
Patient mag diese Behandlung zwar angenehm sein, aber unter
schmerztherapeutischem Aspekt bringt sie nichts und führt nur zu unnötigen
Kosten.
Nahezu unverzichtbar ist aber die heilgymnastische Therapie, da meist nur
diese geeignet ist,
Gelenk
funktionen zu fördern bzw. zu erhalten.
Andere Therapiemaßnahmen
bei Periarthritis
humeroscapularis (PHS):
Der Vollständigkeit halber darf die
Akupunktur (Schmerzakupunktur)
zur Behandlung chronischer
Schulter
schmerzen
nicht unerwähnt bleiben.
Hypnoide
(=
bewußtseinsverändernde) Verfahren
wie autogenes Training oder progressive Relaxation nach Jakobson sind im Rahmen
der
psychologischen Schmerztherapie eine sinnvolle Ergänzung der
Gesamtstrategie. Bei einem chronischen
Schulterschmerz ist
auch ein
Schmerzbewältigungstraining sinnvoll.
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